Hej,
momentan ist es wieder ganz schlimm. Liege jede Nacht stundenlang einfach nur da und finde keinen Schlaf. In der Uni war ich auch schon fast einen Monat nicht mehr.. Ich kriege es einfach nicht auf die Reihe. Dann steh ich in Bremen im Hauptbahnhof vor dem Zug und traue mich nicht einzusteigen.. und dann geh ich wieder nach Hause. Wenn ich es denn überhaupt zum Bahnhof schaffe. Eigentlich schlafe ich immer bis Mittags, wenn ich in den frühen Morgenstunden endlich Schlaf gefunden habe.
Seit ein bis zwei Wochen habe ich ein neues Gefühl. Als würde alles verschwinden – von einen Moment auf den anderen. Selten hat mir etwas mehr Angst eingejagt. Dann frage ich mich, wofür ich eigentlich da bin und nichts ist mir noch etwas wert. In solchen Momenten sitze ich in meinem Zimmer und bin gelähmt von diesem Gefühl. Ich ignoriere es so gut es geht und alles kommt mir vor wie ein komischer Film. Als wäre ich eine große tickende Bombe, die jeden Moment hochgeht. Dann will ich einfach nur noch verschwinden. Ganz weg.. Und vorher einen Arm abhacken oder so, den ich liegen lasse, damit dieses Gefühl sich damit aufhält und mich endlich in Frieden lässt. In mir drin herrscht dann irgendwie Chaos. Alles rennt durcheinander, aneinander, fällt hin, stellt sich wieder auf, blickt sich panisch um und rennt weiter, nur um wieder hinzufallen. Manchmal frage ich mich, wie lange das so noch weitergehen soll und ich weiß auch nicht, wie man da wieder herauskommen soll.
Thorsten und ich haben uns mal kurz so eine Klinik angesehen. Ich würde gerne eine stationäre Therapie machen. Ich war auch erst begeistert von der Klinik und dann hab ich ein bisschen dort gelesen. Sollte ich da so ne Angsttherapie machen, dann würden da Unmengen an Kosten auf mich zukommen, da man irgendwie die Fahrtkosten der Therapeuten zahlen muss etc.. Die Klinik wäre in Münster. Und Angstbewältigung wird ja nunmal da gemacht, wo diese Ängste auftreten. Das ist bei mir in Bremen.. Dazu kommen meine Ängste, dass es bei mir gar nicht so schlimm ist. Dass ich übertreibe und dramatisiere. Dass ich mir alles einbilde. In mir scheint es irgendwie so zwei Fronten zu geben.. Die eine will einfach nur loslassen und fallen.. Und die andere will den Schein wahren und so tun, als wäre alles in Ordnung. Bloß nicht auffallen. Das ist wie Krieg in mir drin.
Ich habe mit Farmor geredet und sie eingeweiht. Also ich hab ihr erzählt, wie es mir wirklich geht. Bisher wusste das ja keiner aus meiner Familie so wirklich. Die eine Seite in mir war lange echt stark. Dazu kommt ja, dass ich in der Familie meiner Mutter niemanden mit meinem Kummer belasten will.. Sie alle trauern um Mama und wenn ich dann auch noch mit meinen Depressionen und Ängsten komme.. Dann leiden alle nur noch mehr und das möchte ich nicht :( Vor allem geht es mir dabei um Oma.. Im Grunde kann mir ja doch niemand helfen, außer mit mir zu leiden.
Und Farmor.. Ich weiß nicht. Ich glaube, sie weiß immer noch nicht so recht, wie schlecht es mir geht. Sie sagt dann sowas wie “Du solltest arbeiten gehen” .. Aber ich kann nicht arbeiten gehen. So schlecht geht es mir. Und wenn ich ihr dann sage, dass ich das nicht kann.. Dann sagt sie sowas “da sprechen wir noch drüber” .. Das macht mir Angst. :(
Ich hab auch Angst, dass sie sauer auf mich ist.. Dass sie mir Vorwürfe macht. Ich will doch nur verstanden werden.. Mehr verlange ich doch gar nicht.. ein bisschen Verständnis.
Am 7. Dezember fliege ich von Düsseldorf nach Kopenhagen und werde Farmor besuchen, aber erstmal nur für eine Nacht, dann werde ich ein paar Tage durch Skandinavien reisen. Ich habe so Fernweh.. Und ich hab Angst, dass sie mir an diesem einen Tag Vorwürfe macht, weil ich nicht in die Uni gehe.. Mit meinem eigenen Gewissen komme ich noch einigermaßen zurecht.. Aber wenn andere mir dann sowas sagen.. Das halte ich nicht aus.. Und ich würde ungern voller Kummer meine Reise antreten :(
Mein Studium ist sowieso so eine Sache.. Ich glaube, das kann ich knicken.. Irgendwie wird mir mein Bafög gesperrt, wenn ich nach vier Semestern nicht gewisse Leistungsnachweise erbringen kann. Sehr lustig.. Also steh ich wohl ab 1. März ohne Geld da.. Das bedeutet, ich kann mein Studium nicht mehr finanzieren und muss abbrechen..
Ja, ihr könnt jetzt sagen “dann erbring die Leistung doch noch” oder “setz dich mal hin und reiß dich zusammen”.. Aber das geht nicht. Irgendwann geht sowas einfach nicht mehr. Ich bin vollkommen ausgebrannt..
Ich hab mich auch gefragt, wieso ich so Schlafprobleme habe und ich glaube, das liegt daran, dass ich mich nicht in die Uni traue.. Der Morgen bedeutet für mich immer wieder Schuldgefühle.. Und wenn ich schlafe, dann ist der Morgen sehr schnell da.. Und je früher ich schlafen gehe, desto früher steh ich auch wieder auf.. Umso schlimmer werden die Schuldgefühle für mich.. Wenn ich um 4 Uhr einschlafe und um 12 aufstehe.. Dann kann ich das alles ziemlich gut wegdrücken :/
Das war aber jetzt erstmal ein aktueller Status von mir und meinen Gedanken *seufz*